Mobilfunk
und Gesundheit - Risikobewertung im wissenschaftlichen
Dialog
Ausgangslage
Eines der wesentlichen Probleme der gegenwärtigen
wissenschaftlichen Debatte um mögliche Risikopotenziale
von EMF unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte für
den Mobilfunk besteht in der unterschiedlichen Einschätzung
der vorhandenen wissenschaftlichen Studien, die teilweise
für die Existenz solcher Risiken und teilweise
dagegen sprechen.
Die T-Mobil hat im Jahr 2000 diese Frage aufgegriffen
und vier verschiedene wissenschaftliche Institutionen
zu einer Stellungnahme gebeten:
- Was
sind die 100 wichtigsten Arbeiten für die Bewertung
des Gesundheitsschutzes beim Mobilfunk?
- Welche
Arbeiten weisen auf ein Risiko hin?
- Zu
welchem Schluss kommt man nach kritischer Würdigung
der Arbeiten in Bezug auf die derzeit gültigen
Grenzwerte?
Die
Gutachten wurden vom Ecolog-Institut, Hannover, von
Prof. Glaser, HU Berlin, vom Öko-Institut Darmstadt
sowie von Prof. Silny, RWTH Aachen, erstellt. Diese
Arbeiten liegen nun vor.
Diese Gutachten weisen folgende Gemeinsamkeiten und
Unterschiede auf:
- Keines
der Gutachten kommt zu dem Schluss, dass es wissenschaftliche
Nachweise für Risiken unterhalb der derzeit gültigen
Grenzwerte gibt.
- Unterschiede
finden sich jedoch im Hinblick auf die Bewertung,
im welchen Umfang gesicherte Erkenntnisse vorliegen.
- Die
Gutachten unterscheiden sich auch in Bezug darauf,
ob und in welchem Ausmaß Vorsorgemaßnahmen
für den Gesundheitsschutz für notwendig
erachtet werden.
Es
kommt nun darauf an, einen fairen und fachlich kompetenten
Diskussionsprozess zu führen.
Ziel
Mit dem Projekt soll ein wissenschaftlicher Diskurs
zwischen den Gutachtern untereinander sowie mit anderen
Wissenschaftlern in Gang gesetzt werden. Es soll transparent
gemacht werden, welche Konsense und welche Dissense
zwischen den vorliegenden Gutachten bestehen und warum.
Ein weiteres Ziel ist es zu klären, wie das Vorsorgeprinzip
im Bereich des Mobilfunks zu verstehen ist: Auf welcher
wissenschaftlichen Basis sind Vorsorgemaßnahmen
zu treffen?
Die beteiligten Wissenschaftler sollen angeregt werden,
ihre Argumentationen offen zu legen. Das heißt,
sie sollen die wissenschaftlichen Belege, die sie für
ihre Risikobewertung als wesentlich erachten, aufzeigen
und dabei alle Pro- und Kontra-Argumente kritisch abwägen.
Vorgehen
MUT übernimmt die Moderation des Dialogs während
des Projekts. Eingangs wird von MUT auf der Grundlage
der vorhandenen Gutachten ein Fragenkatalog zusammengestellt,
der helfen soll, Hintergründe, Annahmen und Bewertungsmaßstäbe
der Gutachten explizit zu machen:
- Von welchen
Grundannahmen lassen sich die Gutachter leiten?
- Von welchen
Arbeiten gehen die Gutachten aus? Welche gemeinsame
Schnittmenge existiert hier?
- Welche Kriterien
wurden bei der Auswahl der Arbeiten angewandt?
- Von welchen
zentralen Begriffen (z.B. Nachweis, Hinweis, Verdacht)
wird ausgegangen? Wie werden diese definiert?
- Wie werden
die verschiedenen Forschungsansätze (Untersuchungen
an Zellen, Tierstudien, epidemiologische Studien und
experimentelle Untersuchungen am Menschen) gewichtet?
Im
ersten Schritt geht es um die Einigung auf einen gemeinsamen
Fragerahmen, d.h. welche biologischen Wirkungen und
welche gesundheitlichen Auswirkungen betrachtet werden
sollen.
Des weiteren wird geklärt, welche Arbeiten für
die Risikobewertung herangezogen werden können
und welche nicht.
Jeder Gutachter soll dann für die verschiedenen
Wirkungen bzw. Auswirkungen die Arbeiten benennen, die
aus seiner Sicht die Grundlage für die Risikobewertung
darstellen.
Diese Arbeiten werden im Hinblick auf Ansatz, Methodik
und Ergebnis miteinander kritisch erörtert. Dabei
werden Hauptdiskussionspunkte auftauchen, z.B. kann
es darum gehen, wie zuverlässig ein bestimmtes
Verfahren wie das EEG ist. Ein anderes Beispiel für
einen solchen zentralen Diskussionspunkt könnte
z.B. sein, ob epidemiologische Untersuchungen aus anderen
Bereichen, etwa zu den Auswirkungen von Radar auf die
Gesundheit, zur Bewertung des Mobilfunks herangezogen
werden können.
Für die Diskussion solcher zentralen Fragen werden
weitere Wissenschaftler herangezogen. Ziel ist es, jeweils
solche Experten zu gewinnen, die keine Parteienstellung
im wissenschaftlichen Streit um die Risikopotenziale
von EMF haben und die über eine hohe wissenschaftliche
Expertise in bezug auf die jeweilige Fragestellung verfügen.
Schließlich geht es um die Ableitung von Konsequenzen:
- Welche
Anforderungen sind an die Auswahl von Untersuchungen,
an deren Gütebewertung und an die Anfertigung
eines wissenschaftlichen Gesamtbilds zu stellen?
- Sind
neue Grenzwerte erforderlich oder bieten die gegenwärtigen
Grenzwerte einen ausreichenden Schutz für die
Gesundheit?
- Welche
wissenschaftlichen Belege müssen vorhanden sein,
um Vorsorgemaßnahmen zu begründen?
Die
Ergebnisse werden in einem Bericht zusammengefasst, der
der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.
Mit diesem Bericht ist gegen Ende des Jahres 2001 zu rechnen.
Ansprechpartner:
Dr. Peter Wiedemann
Programmgruppe Mensch, Umwelt, Technik
Forschungszentrum Jülich GmbH
52425 Jülich
Telefon: 02461-614806
Telefax: 02461-612950
E-Mail: mut@fz-juelich.de
|