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Projekt Aufgaben Gutachten Ergebnisse
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Analyse
1: Prüfung der Datenbasis der Gutachten
Fragestellung
Die
vier Gutachter stimmen darin überein, dass allein
wissenschaftliche Arbeiten die Grundlage für eine
Risikobewertung darstellen können. Weiterhin haben
die Gutachter nur Arbeiten verwendet, die veröffentlicht
sind und so bereits eine fachliche Prüfung auf
Einhaltung wissenschaftlicher Qualitätsstandards
durchlaufen haben.
Trotzdem ist aber zu prüfen, in wie weit sich die
Gutachter auf die gleichen Arbeiten stützen oder
ob hier bereits wesentliche Unterschiede auftreten.
Ein erster Schritt des wissenschaftlichen Dialogs ist
deshalb die Prüfung der benutzten wissenschaftlichen
Arbeiten. Denn, wenn schon bei der Auswahl der Studien
große Diskrepanzen auftreten, so beruhen die Schlussfolgerungen
der Gutachter auf einer jeweils unterschiedlichen Datenbasis.
Möglicherweise kommen sie schon deswegen zu verschiedenen
Bewertungen.
Vorgehensweise
Ausgangspunkt
der Auswertung waren die Literaturlisten der Gutachten.
Vom Ecolog Institut wurden 113 Studien1,
von Prof. Glaser (HU Berlin) wurden 112 Studien , vom
Öko-Institut 121 Studien und von Prof. Silny (RWTH
Aachen) 123 Studien zitiert. Diese Literaturlisten der
Gutachter wurden in eine Datenbank (Excel) übertragen.
In den Zeilen wurden die verschiedenen Arbeiten aufgeführt
(insgesamt 320 verschiedene Arbeiten1,2)
und in vier Spalten wurde jeweils gekennzeichnet, von
welchen Gutachtern diese zitiert wurden. (Siehe Tabelle
1 als Illustration der Vorgehensweise).
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Ecolog |
Glaser |
Öko
Institut |
Silny |
| Arbeit
1 |
X |
X |
|
|
| Arbeit
2 |
X |
X |
X |
|
| Arbeit
... |
|
|
|
|
| Arbeit
n |
|
|
X |
X |
Tabelle
1: Aufbau der Datenbank
Diese
Vorgehensweise beinhaltet allerdings Unschärfen.
So finden sich Arbeiten von denselben Autoren mit nahezu
identischen Titeln in unterschiedlichen Zeitschriften.
Es kann ohne detaillierte inhaltliche Überprüfung
nicht abschließend festgestellt werden, ob es
sich hier nicht doch um gleiche Inhalte handelt. Die
nachfolgenden Auswertungen sind deshalb vorsichtig zu
interpretieren.
Ergebnisse
Tabelle
2 zeigt die Übereinstimmungen zwischen den Gutachtern
an.
| Schnittmenge |
Anzahl der Arbeiten |
Prozent |
| Von
nur einem der vier Gutachter zitiert |
232 |
73
% |
| Von
jeweils zwei der vier Gutachter zitiert |
43 |
13
% |
| Von
jeweils drei der vier Gutachter zitiert |
29 |
9
% |
| Von
allen vier Gutachtern zitiert |
16 |
5
% |
| |
|
|
| Alle
Arbeiten |
320 |
100% |
Tabelle
2: Übereinstimmungen der Gutachter
Das
Ergebnis weist auf beträchtliche Unterschiede zwischen
den verwendeten wissenschaftlichen Arbeiten hin: nur
5% oder 16 von 320 Studien finden sich in allen vier
Gutachten. 73% aller verwendeten Studien werden jeweils
nur von einem Gutachter berücksichtigt.
Selbst dann, wenn man annimmt, dass es versteckte Übereinstimmungen
(falsche Zitate, Doppelpublikation gleicher Inhalte
in verschiedenen Zeitschriften) gibt und die gemeinsame
Schnittmenge aus Vorsichtsgründen verdoppelt, beträgt
die übereinstimmend verwendete Literatur aller
Gutachter nur 10% der insgesamt genutzten wissenschaftlichen
Literatur.
Ein etwas positiveres, aber immer noch bedenkliches
Bild hinsichtlich der Übereinstimmung ergibt sich,
wenn man als Basis für die prozentuale Übereinstimmung
nicht die Gesamtzahl der berücksichtigten wissenschaftlichen
Studien (N=320) nimmt, sondern die Zahl der im jeweiligen
Gutachten verwendeten Arbeiten. In dieser Betrachtungsweise
zeigt sich, dass der Anteil der in allen vier Gutachten
gemeinsam berücksichtigten Arbeiten rund 15% beträgt.
In Abbildung 1 werden die Übereinstimmungen zwischen
den Gutachten für die einzelnen Gutachter trennt
ausgewiesen.
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Lesehilfe: Beispiel Glaser: 49% der Literatur, die
Glaser zitiert, findet sich nur bei ihm, 16% wird
von einem anderen Gutachter auch zitiert, 20% wird
von zwei anderen Gutachtern ebenfalls zitiert und
15% wird von allen Gutachtern zitiert.
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Tabelle
3 zeigt die Schnittmengen zwischen jeweils 2 Gutachtern
an; unabhängig davon, welche anderen Übereinstimmungen
es noch zu anderen Gutachtern vorliegen. Der paarweise
Vergleich von übereinstimmenden Literaturstellen
zeigt, dass es keine "Lagerbildung" gibt, etwa Glaser
und Silny versus Ecolog und Öko-Institut. Die auf
den ersten Blick plausible Hypothese, wissenschaftspolitische
Differenzen spielten bei der Auswahl der Arbeiten eine
Rolle, ist zurückzuweisen.
| |
Zitiert
in
Ecolog-Insitut |
Zitiert
in
Glaser |
Zitiert
in
Öko-Insitut |
Zitiert
in
Silny |
Auch
zitiert in
Ecolog-Insitut |
- |
32%
(36) |
26%
(32) |
35%
(43)* |
Auch
zitiert in
Glaser |
32%
(36) |
- |
26%
(32) |
37%
(46) |
Auch
zitiert in
Öko-Insitut |
28%
(32) |
29%
(32) |
- |
30%
(37) |
Auch zitiert in
Silny |
38%
(43)* |
41%
(46) |
31%
(37) |
- |
Tabelle
3 : Paarweise Übereinstimmungen (Absolute Häufigkeiten
in Klammern)
*
Lesehilfe: 38% der Arbeiten, die Ecolog zitiert, werden
auch in Silny zitiert, 35% der Arbeiten, die Silny
zitiert, werden auch in Ecolog zitiert.
Die unterschiedlichen Prozentwerte bei gleichen absoluten
Häufigkeiten ergeben sich aus den verschiedenen
langen Literaturlisten der Gutachter.
Abbildung
2 zeigt für die vier Studien, welche Anteile der
zitierten Quellen aus welcher Zeitperiode stammen. Für
alle vier Studien liegt der Schwerpunkt der zitierten
Quellen im Zeitraum 1996-1998. Drastische Unterschiede
in der zeitlichen Verteilung der jeweils berücksichtigten
Quellen lassen sich zwischen den Studien nicht feststellen.
Allenfalls die Glaser-Studie unterscheidet sich insofern
von den drei anderen, als bei ihr die Anteile in den
Zeiträumen 1993-1995 und 1996-1998 unter denen
der anderen liegen, sie aber mehr Quellen aus dem Zeitraum
1980-1984 und früher enthält.
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Zusammenfassung
Zusammenfassend zeigt diese Auswertung, dass - bei
gleicher Fragestellung - von den Gutachtern in beträchtlichem
Maße unterschiedliche wissenschaftliche Arbeiten
herangezogen wurden. Natürlich sagt dies nichts
über die Qualität der einzelnen Gutachten
aus. Das Ergebnis verweist aber auf eine erste Hürde
für den Prozess einer vergleichbaren und transparenten
Risikobewertung zu elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks:
die Auswahl der für die Risikobewertung herangezogenen
wissenschaftlichen Arbeiten. Offensichtlich gibt es
keine einheitlich verwendeten Kriterien für die
Auswahl dieser Arbeiten.
Dieses Ergebnis demonstriert zugleich, wie wichtig der
geplante wissenschaftliche Dialog zwischen den Gutachtern
ist. Im Hinblick auf das vorliegende Problem wäre
in diesem Dialog zu klären, welche Auswahlkriterien
verwendet werden können bzw. sollten.
Weiteres
Vorgehen
In einen nächsten Schritt wollen wir die Gutachten
im Detail prüfen. Für jede Klasse von biologischen
und gesundheitlichen Wirkungen soll untersucht werden,
ob diese von allen Gutachtern betrachtet wurden, und
ob sie sich dabei auf die gleichen oder auf verschiedene
Arbeiten beziehen. Hier ist es auch leichter möglich,
Unschärfen der Analyse zu vermeiden, d.h. falsch
zitierte oder mehrfach veröffentlichte Arbeiten
zu entdecken.
1
In dieser Auswertung werden nur die von den Autoren selbst
im Anhang E als wesentlich aufgeführten Studien berücksichtigt.
Die Literaturliste umfasst insgesamt 231 Arbeiten.
2 In dieser Auswertung werden nur die von Prof.
Glaser selbst als wesentlich gekennzeichneten Studien
seiner Literaturliste berücksichtigt, die insgesamt
245 Arbeiten umfasst. |
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