Risikobewertung im wissenschaftlichen Dialog
Diskussionsschwerpunkte des 3. Workshops am 24.10.01 in Berlin

Gegenstand des Workshops war die Einschätzung und Diskussion der Ergebnisse epidemiologischer und tierexperimenteller Untersuchungen zu möglichen kanzerogenen und teratogenen Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder des Mobilfunks.

Teilnehmer waren die vier Verfasser der T-Mobil-Gutachten: Prof. Dr. Glaser (Humboldt Universität Berlin), Hr. Küppers (Öko-Institut Darmstadt), Dr. Neitzke (Ecolog Institut Hannover) und Prof. Dr. Silny (RWTH Aachen). Beratende Experten waren für das Themenfeld "Kanzerogene und teratogene Wirkungen: Tieruntersuchungen" Dr. Buschmann (Fraunhofer-Institut Hannover) und für das Themenfeld "Kanzerogene und teratogene Wirkungen: Epide-miologische Untersuchungen am Menschen" Dr. Schüz (Universität Mainz). Als Moderatoren nahmen von der Programmgruppe Mensch, Umwelt, Technik (MUT) des Forschungszentrums Jülich teil: Hr. Schütz , Fr. Thalmann und Dr. Wiedemann.

Themenfeld Kanzerogene und teratogene Wirkungen: Tieruntersuchungen
Alle Gutachter stimmten darin überein, dass Untersuchungen an Tieren ein geeigneter Ansatz sind, mögliche kanzerogene und teratogene Wirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern zu untersuchen.

Zu kanzerogenen Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder in Tieruntersuchungen wurden in den vier Gutachten insgesamt 17 Arbeiten berücksichtigt (siehe Tabelle 1), die zum Teil zu widersprüchlichen Ergebnissen kommen. In der Workshopdiskussion wurden auch neuere Arbeiten angesprochen, die seit Abfassung der Gutachten erschienen sind. Auch diese ermöglichen allerdings keine eindeutigen Schlussfolgerungen.

Tabelle 1: In den Gutachten berücksichtigte Tieruntersuchungen zur Kanzerogenese
  Ecolog Glaser Öko-Institut Silny
Chou et al. (1992) ja ja ja ja
Frei et al. (1998a) ja ja ja ja
Frei et al. (1998b) ja ja ja ja
Adey et al. (1999) ja ja ja nein
Repacholi et al. (1997) ja ja ja nein
Santini et al. (1988) ja ja ja nein
Szmigielski et al. (1982) ja ja ja nein
Wu et al. (1994) ja ja ja nein
Toler et al. (1997) ja nein ja ja
Chagnaud et al. (1999) ja ja nein nein
Higashikubo et al. (1999) ja ja nein nein
Imaida et al. (1998a) ja ja nein nein
Imaida et al. (1998b) ja ja nein nein
Salford et al. (1993) ja nein ja nein
Szudinski et al. (1982) ja nein nein nein
Adey et al. (2000) nein ja nein nein
Vijayalaxmi et al. (1997a) nein ja nein nein


Zu den teratogenen Wirkungen in Tieruntersuchungen wurden in den Gutachten insgesamt 38 Arbeiten aufgeführt (siehe Tabelle 2), wobei Silny hierzu in seinem Gutachten keine Studien angeführt hat, da nach seiner Einschätzung die in solchen Studien gefundenen Effekte alle durch thermische Wirkungen erklärt werden können und deshalb für eine Risikobewertung hochfrequenter Felder unterhalb der Grenzwerte nicht relevant sind. Auch die anderen drei Gutachter wie auch der beratende Experte stimmten darin überein, dass die gefundenen Effek-te durch thermische Wirkungen erklärt werden können bzw. einzelne Experimente vor einer Bewertung noch repliziert werden müssen.

Tabelle 2: In den Gutachten berücksichtigte Tieruntersuchungen zur Teratogenese
  Ecolog Glaser Öko-Institut Silny
Jensh, Vogel & Brent (1983) ja ja ja nein
Akdag et al. (1999) ja ja nein nein
Jensh, Weinberg & Brent (1983) ja nein ja nein
Magras & Xenos (1997) ja nein ja nein
Nawrot et al. (1985) ja ja nein nein
O'Connor (1999) (1) ja nein ja nein
Adey et al. (1999) nein ja nein nein
Adey et al. (2000) nein ja nein nein
Berman & Carter (1984) ja nein nein nein
Berman et al. (1980) nein ja nein nein
Berman et al. (1982) ja nein nein nein
Cairnie & Harding (1981) nein ja nein nein
Chazan et al. (1983) nein ja nein nein
Dasdag et al. (1999) nein ja nein nein
Dasdag et al. (2000) nein ja nein nein
Fisher et al. (1979) nein ja nein nein
Inalösz et al. (1997) ja nein nein nein
Jensh (1984 a) nein nein ja nein
Jensh (1984 b) nein nein ja nein
Jensh (1997) nein nein ja nein
Jensh et al. (1982) nein ja nein nein
Kaplan et al. (1980) nein ja nein nein
Khillare & Behari (1998) ja nein nein nein
Kowalczuk et al. (1983) ja nein nein nein
Kubinyi et al. (1996) nein ja nein nein
Lary et al. (1983) ja nein nein nein
Lebovitz & Johnson (1983) nein ja nein nein
Lebovitz & Johnson (1987) nein ja nein nein
Marcickiewicz et al. (1986) ja nein nein nein
McRee et al. (1983) nein ja nein nein
Merritt et al. (1984) nein ja nein nein
Nakamura et al. (2000) nein ja nein nein
Nelson et al. (1997) nein nein ja nein
Nelson et al. (1998) nein nein ja nein
Nelson et al. (1999) nein nein ja nein
Saunders & Kowalczuk (1981) ja nein nein nein
Saunders et al. (1983) ja nein nein nein
Smialowicz et al. (1979) nein ja nein nein

Anmerkung:
(1) Review Paper

In der Diskussion standen die folgenden Themen im Mittelpunkt:

  • Die Art des Wirkmechanismus bei der Kanzero- und Teratogenese: Gibt es neben den bekannten thermischen Wirkungen auch nicht-thermische Effekte?
  • Die Schlussfolgerungen, die aus einzelnen Studien, insbesondere den Untersuchungen von Chou et al. (1992) und Repacholi (1997), bezüglich der Risiken hochfrequenter EMF gezogen werden können.
  • Die Frage, welche Expositionsbedingungen für die Kanzero- und Teratogenese als relevant anzusehen sind.

Themenfeld Kanzerogene und teratogene Wirkungen: Epidemiologische Untersuchungen am Menschen
Die vier Gutachter stimmen darin überein, dass epidemiologische Untersuchungen ein geeignetes Instrument sind, um mögliche gesundheitliche Risiken elektromagnetischer Felder des Mobilfunks zu erforschen. Allerdings gibt es epidemiologische Untersuchungen zur Wirkung von elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks auf den Menschen bislang nur für Mobilfunktelefone, nicht aber für Basisstationen. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung der vier Gutachten lagen nur die Untersuchungen von Hardell et al. (1999) und Rothman et al. (1996) vor. In der Workshopdiskussion wurden darüber hinaus auch seitdem publizierte, neuere Untersuchungen einbezogen (Dreyer et al. 1999; Inskip et al. 2001; Johansen et al. 2001; Maskarinec et al. 1994; Muscat et al. 2000; Stang et al. 2001).

Daneben wurden in den Gutachten wie der Workshopdiskussion auch Studien zur beruflichen Exposition durch hochfrequente elektromagnetische Felder berücksichtigt, die sich allerdings hinsichtlich Art der Exposition (Teilkörper vs. Ganzkörper), Dauer und Intensität vom Mobilfunk unterscheiden, sowie Untersuchungen, die im Umfeld von Sendeanlagen von Militär, Rundfunk und TV durchgeführt worden sind. Die Workshopteilnehmer stimmten darin überein, dass auch diese Studien, die sich nicht direkt auf die Felder des Mobilfunks beziehen, wertvolle Hinweise für die Abschätzung von Wirkungen und möglichen Gesundheitsrisiken liefern können, wenn bei der Interpretation der Ergebnisse die unterschiedlichen Feld- und Expositionscharakteristika berücksichtigt werden.

Insgesamt wurden in den vier Gutachten 28 epidemiologische Studien berücksichtigt, die in Tabelle 3 aufgeführt sind.

Tabelle 3: In den Gutachten berücksichtigte epidemiologische Untersuchungen
  Ecolog Glaser Öko-Institut Silny
Hardell et al. (1999) ja ja ja ja
Rothman et al (1996) ja ja ja ja
Dolk et al. (1997b) ja ja nein nein
Hocking et al. (1996) ja ja nein nein
McKenzie et al. (1998) (1) ja ja nein nein
Grayson (1996) ja ja nein nein
Robinette et al. (1980) ja ja nein nein
Szmigielski (1996) ja ja nein nein
Lagorio et al. (1987) ja ja nein nein
Dolk et al. (1997a) ja ja nein nein
Thomas et al. (1987) ja ja nein nein
Morgan et al. (2000) nein ja nein nein
Reeves (2000) nein ja nein nein
Davis & Mostofi (1993) ja nein nein nein
Hayes et al. (1990) ja nein nein nein
Beall et al. (1996) ja nein nein nein
Cantor et al. (1995) ja nein nein nein
Demers et al. (1991) ja nein nein nein
Garland et al. (1990) ja nein nein nein
Holly et al. (1996) ja nein nein nein
Lin et al. (1985) ja nein nein nein
Milham (1982) ja nein nein nein
Milham (1985a) ja nein nein nein
Milham (1985b) ja nein nein nein
Milham (1988) ja nein nein nein
Törnquist et al. (1991) ja nein nein nein
Tynes et al. (1992) ja nein nein nein
Tynes et al. (1996) ja nein nein nein

Anmerkung:
(1) Reanalyse der Arbeit von Hocking et al. (1996)

Schwerpunkte der Diskussion zu diesem Themenfeld waren:

  • Die Bewertung der Ergebnisse einzelner Studien, insbesondere der Untersuchung von Hardell (1999).
  • Die Gewichtung von epidemiologischen Studien zur Expositionen durch Handynutzung und durch Rundfunk- bzw. TV-Sendeanlagen sowie beruflicher HF EMF Exposition für die Bewertung möglicher Gesundheitsrisiken.
  • Neuere epidemiologische Untersuchungen, die in den vier Gutachten noch nicht berücksichtigt werden konnten, und ihre Bedeutung für die Bewertung möglicher Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Felder des Mobilfunks.

Literatur



Forschungszentrum Jülich, MUT, Kontakt: p.wiedemann@fz-juelich.de
Letzte Änderung am 11.4.2002